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Einsatz von KI in KMU steigt – aber die Herausforderungen für die Arbeitswelt bleiben
Veröffentlicht am 08. Dez 2025
Die Nutzung Künstlicher Intelligenz nimmt in kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland deutlich zu. Das zeigt eine aktuelle Studie der OECD. Viele Betriebe sehen darin klare Vorteile: höhere Arbeitsqualität, Kosteneinsparungen sowie neue Dienstleistungen und Produkte sind möglich. Damit das Potenzial der Technologie voll ausgeschöpft werden kann, müsse die KI-Kompetenz der Beschäftigten laut OECD jedoch weiterwachsen. Öffentliche Unterstützungsangebote könnten Unternehmen mit beschränkten Ressourcen den Zugang zu Trainings und Mentoring erleichtern.
Lange wurden KI-Anwendungen vor allem in großen Unternehmen eingesetzt. Doch eine neue OECD-Studie zeigen nun auch substantielle KI-Nutzungszahlen bei KMU. Besonders beachtenswert ist, dass im internationalen Vergleich die Nutzung in Deutschland besonders hoch ist: Gut 39 % der befragten Unternehmen in Deutschland geben an, generative KI beispielsweise beim Kunden- oder Produktmanagement zu nutzen, sei es zur Generierung von Texten und anderen Inhalten oder in Form von Chatbots. Die niederschwelligen Einsatzmöglichkeiten, die die rasante technologische Entwicklung von generativen KI-Systemen wie ChatGPT, Copilot und Midjourney bietet, ist dabei ein großer Vorteil. Allerdings zeigt die OECD-Studie auch, dass KI derzeit erst in Randbereichen von KMU und eher bei einfachen Aufgaben statt komplexeren Tätigkeiten eingesetzt wird, sodass etwa Produktionsprozesse bisher unverändert bleiben. Gerade die strategische Integration von KI in betriebliche Prozesse dürfte aber eine der Voraussetzungen sein, um die Produktivitätspotentiale von KI tatsächlich auch im größeren Maße zu realisieren.
Wo KI jetzt schon KMU unterstützt
Laut der Studie heben KMU, die bereits generative KI nutzen, besonders folgende positive Erfahrungen und Vorteile hervor:
- Rund zwei Drittel geben an, dass ihre Beschäftigten mit KI ihre Aufgaben besser erledigen können.
- Kosteneinsparungen, die Ausführung ganz neuer Tätigkeiten sowie die Erstellung neuer Produkte und Dienstleistungen werden ebenfalls als klare Vorteile genannt.
Die befragten Unternehmen geben zudem an, dass KI dabei hilft, fehlende Kompetenzen im Betrieb oder auch fehlende Fachkräfte zu ersetzen. Unter anderem kann hier auch eine Rolle spielen, dass KI vor allem ein Teil der Routineaufgaben der Beschäftigten übernimmt. Denn laut den Unternehmen führt KI-Einsatz häufiger dazu, dass sich die Arbeitsbelastung der Beschäftigte verringert anstatt dass mehr Aufgaben hinzukommen. Bei deutschen KMU hat dies laut deren Auskunft aber bisher im Großen und Ganzen nicht dazu geführt, dass sie weniger Arbeitskräfte benötigen. Knapp sechs Prozent der deutschen KMU geben an, weniger Personal zu benötigen, bei über 90 Prozent gibt es aber keine Veränderungen durch KI beim Personalbedarf.
Zentrales Thema: Kompetenzen der Beschäftigten
Zum einen kann KI bei fehlenden Kompetenzen im Betrieb unterstützen. Zum anderen gibt ein Fünftel der befragten Unternehmen an, dass die Anforderungen an die Kompetenzen der Beschäftigten mit der KI-Nutzung gestiegen sind. Besonders gefragt seien verstärkt die Fähigkeit zur Datenanalyse sowie kreatives und innovatives Denken. Zehn Prozent der KMU berichten dagegen von sinkenden Anforderungen in Verbindung mit dem KI-Einsatz. Bei der Mehrheit der Unternehmen hat KI allerdings die Kompetenzanforderungen nicht geändert. Dies erklärt möglicherweise auch die moderaten Weiterbildungsraten. In lediglich knapp einem Viertel der KI-nutzenden KMU haben die Beschäftigten an Weiterbildung zu KI-Themen teilgenommen. Dagegen berichtet jedes zweite Unternehmen, das bisher noch keine generative KI nutzt, fehlende Kompetenzen bei ihren Beschäftigten als Hinderungsgrund.
Mehrere Herausforderungen und vielfältige Unterstützungsbedarfe
Neben fehlenden Kompetenzen ihrer Beschäftigten geben KMU häufig als Hinderungsgrund an, dass auf dem Markt befindliche KI-Anwendungen nicht zum betrieblichen Kontext passen (57 %). Als weitere Hinderungsgründe, KI einzuführen nennen KMU ihre Unsicherheiten bei rechtlichen Fragen (54 %) sowie mit Blick auf die Daten, die in eine KI einfließen (53 %). Zudem unterlassen KMU die Einführung von generativer KI, weil sie zu geringe Akzeptanz der Technologie bei ihren Kunden annehmen (45 %), und zum anderen, weil sie die Qualität der KI-Ergebnisse zu gering einschätzen (35 %). Die Vielzahl der von KMU genannten Herausforderungen spiegelt sich auch in einer Vielfalt von Unterstützungsbedarfe, die sich an die Politik richten, wider. Vor allem werden Unterstützung finanzieller Art und bei Weiterbildung genannt sowie Informationskampagnen oder Unterstützung des Managements.
KI in KMU: Aufgaben für die Politik
Insgesamt machen die Ergebnisse deutlich: Generative KI findet zunehmend Eingang in KMU, doch der Einsatz ist häufig noch wenig strukturiert. Die OECD betont in diesem Zusammenhang die Rolle der Politik. Entscheidend sei, Qualifizierung gezielt zu fördern und Rahmenbedingungen zu schaffen, die einen vertrauensvollen Umgang mit KI ermöglichen. Öffentliche Unterstützungsangebote könnten Unternehmen mit beschränkten Ressourcen den Zugang zu Trainings und Mentoring erleichtern. KMU, die insbesondere in Deutschland das Rückgrat der Wirtschaft bilden, sollten so in die Lage versetzt werden, bei KI-Kompetenz und Digitalisierung Boden aufzuholen. Nicht zuletzt gelte es, sukzessive die KI-Kompetenz bei Beschäftigten auszubauen – damit die Vorteile generativer KI der breiten Gesellschaft zugutekommen.
Diese Erkenntnisse decken sich mit den Zielen des KI-Observatoriums der Abteilung Denkfabrik Digitale Arbeitsgesellschaft des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Es setzt sich dafür ein, den Transfer von Forschung in die Praxis zu fördern und den menschenzentrierten Einsatz von KI in der Arbeitswelt zu unterstützen. Projekte, wie zum Beispiel die KI-Studios, zielen darauf ab, Beschäftigte und deren Interessenvertretungen für die Mitgestaltung von betrieblichen Anwendungen der KI zu befähigen. In praxisnahen Anwendungsbeispielen können gezielt Kompetenzen aufgebaut werden, die für einen verantwortungsvollen und erfolgreichen Technologieeinsatz notwendig sind.
Fazit
Die Studie der OECD liefert wertvolle Hinweise für die Gestaltung einer zukunftsorientierten und inklusiven KI-Politik. Sie zeigt, dass der verantwortungsbewusste und volkswirtschaftlich sinnvolle Einsatz generativer KI nicht in erster Linie eine Frage der Technologie ist. Vielmehr kommt es auf Kompetenzaufbau, Vertrauen und klare Rahmenbedingungen an.