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Wissen

Zwischen Chancen und Risiken: Wie sich die Wahrnehmung von KI entwickelt

Veröffentlicht am 22. Apr 2026

Wie verändert Künstliche Intelligenz (KI) die Arbeitswelt – und wie erleben Beschäftigte den Einsatz dieser Technologie im Alltag? Das Forschungsprojekt Meinungsmonitor Künstliche Intelligenz (MeMo:KI), das im Rahmen des KI-Observatoriums des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales gefördert wird, untersucht seit 2020, wie Menschen KI wahrnehmen, welche Erfahrungen sie mit ihr machen und wie sie in der Arbeitswelt eingesetzt wird. Ziel ist es, Erkenntnisse für eine faktenbasierte Diskussion und Gestaltung des KI-Einsatzes in der Arbeitswelt zu liefern. Jetzt liegen neue Ergebnisse aus der aktuellen Befragungswelle vor.

Eine zentrale Erkenntnis der aktuellen Befragungswelle: Die Auseinandersetzung mit Künstlicher Intelligenz verändert sich aktuell. Den Befragungen zufolge nutzt inzwischen mehr als die Hälfte der Beschäftigten regelmäßig KI am Arbeitsplatz. Mit der wachsenden Nutzungserfahrung nimmt auch das Wissen über die Technologie und ihre komplexen Auswirkungen zu. Dadurch werden die Einstellungen und Wahrnehmungen dezidierter und differenzierter.

So hat die Wahrnehmung von Risiken zuletzt leicht zugenommen. Mit einem Anstieg um fünf Prozentpunkte gegenüber der vorherigen Erhebung sehen etwas mehr als die Hälfte der Befragten (53 Prozent) auf gesellschaftlicher Ebene inzwischen (eher) Risiken als Chancen im Zusammenhang mit KI. Dies gilt auch für die eigene Einschätzung: Für mittlerweile 45 Prozent überwiegen (eher) die persönlichen Risiken (+4 Prozentpunkte). Parallel dazu wächst der Anteil derjenigen, die den Einsatz von KI insbesondere in sensiblen Bereichen, wie im Verkehr und bei politischen Entscheidungen sowie bei Polizei, Militär und Geheimdiensten, kritisch sehen.

Dass es sich dabei um Tendenzen, nicht jedoch eine grundlegende Trendumkehr in Bezug auf die Wahrnehmung von KI handelt, zeigen vor allem auch die Einschätzungen zu den Effekten von KI in der Arbeitswelt. 45 Prozent der Beschäftigten sehen beim KI-Einsatz am Arbeitsplatz weiterhin mehr Chancen als Risiken. Viele erwarten positive Effekte – etwa Verbesserungen bei der Arbeitsbelastung oder auch eine steigende Arbeitszufriedenheit. Demgegenüber stehen aber auch konkrete Sorgen, etwa hinsichtlich des Datenschutzes, sozialer Kontakte, Mitbestimmung oder möglicher Einkommenseffekte. Damit bleibt die Haltung zu KI in der Arbeitswelt insgesamt ambivalent.

Persönliche versus gesellschaftliche Perspektive

Auffällig ist eine anhaltende Diskrepanz in der Wahrnehmung: Die persönliche Angst vor dem eigenen Arbeitsplatzverlust durch KI ist weiterhin vergleichsweise gering. In der aktuellen Befragungswelle äußern lediglich 14 % der Beschäftigten die Sorge, dass KI ihre beruflichen Fähigkeiten ersetzen könnte. Zugleich bleiben die Sorgen über mögliche Auswirkungen auf die Arbeit im Allgemeinen mit 36 % stärker verbreitet und nehmen leicht zu.

Ein wichtiges Thema bleibt weiterhin die Mitgestaltung der KI-Implementierung in der Arbeitswelt: Über alle Erhebungswellen hinweg berichten mehr als zwei Drittel der Beschäftigten, dass sie kaum Einfluss auf die Einführung und Nutzung von KI am Arbeitsplatz haben. Dabei zeigt die Forschung, dass gerade eine breite Einbindung der Beschäftigten sowie ein menschenzentrierter Ansatz entscheidend für eine erfolgreiche und akzeptierte Implementierung von KI sind.

Mögliche Schere zwischen Early und Late Adoptern

Zugleich zeichnen sich Unterschiede zwischen verschiedenen Beschäftigtengruppen ab: Jüngere und höher qualifizierte Beschäftigte nutzen KI häufiger, schätzen ihre eigenen Kompetenzen positiver ein und bewerten die Technologie optimistischer. Da positive Einstellungen eng mit Nutzungserfahrung verknüpft sind, sehen die Forschenden hier die Gefahr einer sich selbst verstärkenden Ungleichheit: Wer frühzeitig Zugang zu KI-Lösungen erhält und Erfahrung sammelt, baut Kompetenzen und Vertrauen auf – wer hingegen Vorbehalte hat und skeptisch ist, verpasst möglicherweise wichtige Gelegenheiten, die Technologie kennenzulernen und riskiert den Anschluss.

Der Staat ist gefragt

Über alle bisherigen Erhebungswellen hinweg zeigt sich aus der Sicht der Beschäftigten Handlungsbedarf seitens der Politik. Eine Mehrheit der Befragten spricht sich dafür aus, dass der Staat Grenzen setzen sollte – insbesondere, wenn Unternehmen Arbeitsplätze durch KI-Lösungen ersetzen. Zugleich besteht breite Unterstützung für die staatliche Förderung von Forschung und Entwicklung im KI-Bereich.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) begleitet diese Entwicklungen seit mehreren Jahren engmaschig. Das Projekt MeMo:KI erhebt seit September 2020 fortlaufend aktuelle Daten. So entsteht ein differenziertes Lagebild, das KI-bezogene Einstellungen, Erfahrungen und Wahrnehmungen von Beschäftigten abbildet. Mit diesen Erkenntnissen lässt sich die mit KI verbundene Transformation von Gesellschaft und Arbeitswelt aktiv und nachhaltig im Sinne der Bürger*innen, der Beschäftigten und der Unternehmen gestalten: Risiken werden frühzeitig beobachtet und adressiert – etwa durch die Stärkung von Mitbestimmung, die Förderung von Kompetenzen und Qualifizierung sowie durch die Unterstützung von Betrieben bei einer menschenzentrierten Einführung von KI. Zugleich sorgen regulatorische Maßnahmen für wichtige Schutzstandards, etwa im Bereich des Beschäftigtendatenschutzes oder der Plattformarbeit.

  • Die zweite Befragungswelle fand zwischen dem 7. und 21. Juli 2025 statt. 1.651 Personen wurden online befragt (925 Erwerbstätige, 726 Nichterwerbstätige).
  • Die dritte Befragungswelle wurde vom 26. Januar bis 6. Februar 2026 durchgeführt – hier wurden 1.647 Personen online befragt (928 Erwerbstätige, 719 Nichterwerbstätige).
  • Eine vierte und letzte Befragungswelle wird im Sommer folgen.
  • Das Projekt Meinungsmonitor Künstliche Intelligenz (MeMo:KI) wird von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf durchgeführt und von der Abteilung D Denkfabrik Digitale Arbeitsgesellschaft des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) bis August 2026 mit rund 500 Tsd. Euro gefördert.